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Haltung & Grenzen

Was diese Arbeit kann —
und was sie nicht kann.

Die unbequeme Seite. Studienlage, Kritik, Grenzen, Rechte — und ein Satz, den wir früher selbst geschrieben haben und heute zurücknehmen.

Diese Seite ist die unbequemste unserer Website, und sie ist Absicht. Wer mit Menschen in tiefen Themen arbeitet, schuldet ihnen, dass er offenlegt, was seine Methode kann, was sie nicht kann und wo sie schon Schaden angerichtet hat.

Wir haben diese Seite nicht geschrieben, weil ein Anwalt es verlangt hat, sondern weil das Gegenteil — der große Ton, das sichere Versprechen, die Wissenschaft als Feigenblatt — genau das ist, was der Aufstellungsarbeit ihren schlechten Ruf eingetragen hat.

Erstens

Was wir früher geschrieben haben —
und heute nicht mehr.

Auf der alten Fassung dieser Website stand, die Wirksamkeit von Aufstellungen sei „heute durch die Quantenmechanik bestätigt“, mit einem Vergleich zur Verschränkung geteilter Teilchen.

Das war falsch. Quantenverschränkung beschreibt Korrelationen zwischen Teilchen unter sehr besonderen Bedingungen. Sie sagt nichts über Menschen in einem Raum, über Stellvertreterwahrnehmung oder über Familiensysteme. Es gibt keine physikalische Erklärung für Aufstellungsarbeit — weder eine bestätigende noch eine widerlegende. Der Satz war eine Anleihe bei einer Wissenschaft, die man nicht gefragt hat.

Wir lassen ihn weg. Was bleibt, ist ehrlicher und ganz sicher nicht schwächer: Wir wissen nicht, warum Stellvertreter so oft etwas Zutreffendes wahrnehmen. Wir wissen nur, dass es geschieht, oft genug, um damit zu arbeiten — und dass niemand bisher überzeugend erklärt hat, wie.

Zweitens

Was die Forschung hergibt

Es gibt Studien zur Aufstellungsarbeit. Sie sind nicht zahlreich und in ihrer Qualität uneinheitlich, aber es gibt sie, und man kann sie ehrlich zusammenfassen.

Was untersucht wurdeWas herauskam
Heidelberger Studie
Randomisierte Studie der Universitätsklinik Heidelberg mit 208 Erwachsenen, dreitägige Seminare gegen Wartelisten-Kontrolle, Nachmessung nach zwei Wochen und vier Monaten. Veröffentlicht 2013.
Wer aktiv teilgenommen hatte, berichtete eine deutlich verringerte psychische Belastung, und der Effekt hielt über vier Monate. Die Autoren selbst schränken ein: sehr erfahrene Leitung, und eine Stichprobe, die gebildet, aufstellungserfahren und klinisch nicht schwer belastet war.
Systematische Übersichtsarbeit
Konkolÿ Thege und Kollegen, 2021, zwölf Studien mit 568 Teilnehmenden.
Mittlerer Effekt in der Metaanalyse. Aber: Die Gesamtqualität der Evidenz ist gering, und ausgerechnet die methodisch besseren Studien fanden häufiger keinen signifikanten Effekt. Das ist ein Hinweis auf Verzerrung.
Negative Wirkungen Dieselben Übersichtsarbeiten berichten, dass etwa fünf bis neun Prozent der Teilnehmenden von negativen Effekten berichten. Das steht hier, weil es dazugehört.
Und eine Unterscheidung, die oft verwischt wird: Die Systemische Therapie ist in Deutschland als Psychotherapieverfahren anerkannt und seit 2020 Kassenleistung für Erwachsene. Die Familienaufstellung ist davon nicht erfasst. Sie ist kein Richtlinienverfahren und keine Kassenleistung. Wer beides in einen Topf wirft, führt in die Irre — wir tun es nicht.

Drittens

Die Kritik —
und was wir daraus gemacht haben.

Die beiden großen deutschen Fachverbände der systemischen Arbeit haben sich früh und deutlich von der Aufstellungsarbeit in Hellingers Form distanziert: die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie 2003, die Systemische Gesellschaft 2004 in der sogenannten Potsdamer Erklärung.

Ihre Vorwürfe waren, kurz gefasst: Personenkult statt fachlicher Auseinandersetzung. Autorität statt Selbstbestimmung. Klienten, die in Großgruppen schutzlos gestellt werden. Fehlende Auftragsklärung. Eine mystifizierende Sprache, die Widerspruch unmöglich macht. Und Rituale, die Menschen demütigen können.

Wir halten diese Kritik in weiten Teilen für berechtigt. Deshalb steht sie hier, und deshalb ist unsere Arbeit an genau diesen Punkten anders gebaut:

Viertens

Bert Hellinger:
was wir nehmen, was nicht.

Was wir übernehmen ist das Handwerk: dass ein System sich im Raum abbilden lässt, dass Stellvertreter etwas wahrnehmen, dass Zugehörigkeit, Ausgleich und Rangfolge in Familien wirken, und dass ein ausgesprochener Satz ein Bild kippen kann. Das ist eine große Entdeckung, und sie stammt von ihm.

Was wir nicht übernehmen ist der Anspruch, die Wahrheit eines Menschen zu kennen. Hellingers Arbeit ist dafür kritisiert worden, dass sie Betroffenen von Gewalt und Missbrauch Sätze in den Mund gelegt hat, die die Verantwortung verschieben. Für einen dokumentierten Fall wurde ihm vorgeworfen, eine Betroffene zur Verbeugung vor dem Täter aufgefordert zu haben.

Man kann das Handwerk eines Menschen schätzen und seine Haltung ablehnen. Genau das tun wir. Und wir sagen es lieber selbst, als es unerwähnt zu lassen.

Fünftens

Homöopathie, ehrlich eingeordnet

Ein Teil dieser Aufstellungslinie kommt aus der Homöopathie, und ein Format — die Arzneimittel-Entwicklungs-Aufstellung — arbeitet ausdrücklich mit Arzneimittelbildern. Deshalb gehört hierher, was Stand der Wissenschaft ist:

Für die Wirksamkeit homöopathischer Mittel über den Placebo-Effekt hinaus gibt es keinen Nachweis. Das ist das übereinstimmende Ergebnis großer Auswertungen — der Lancet-Analyse von 2005, des australischen NHMRC-Berichts von 2015 und der Stellungnahme der europäischen Wissenschaftsakademien von 2017. In Deutschland läuft die Erstattung homöopathischer Leistungen durch die gesetzlichen Krankenkassen zum 1. Januar 2027 aus.

Wir arbeiten trotzdem mit Bildern aus dieser Tradition — als Sprache, als Beschreibungssystem, als Zugang zu einem Thema. Was wir nicht tun: sie als medizinisch wirksame Behandlung ausgeben. Wer eine Erkrankung hat, gehört zum Arzt.

Sechstens

Wann du besser
nicht aufstellst.

Es gibt Lagen, in denen diese Arbeit nicht hilft, sondern belastet. Dann stellen wir nicht auf — auch dann nicht, wenn jemand es sich sehr wünscht. Das ist keine Ablehnung der Person, sondern der einzige Umgang, der verantwortbar ist.

Wenn du in einer akuten Krise steckst, wende dich an deine Ärztin oder deinen Arzt, an eine psychotherapeutische Praxis oder an eine Krisenstelle in deiner Nähe. Das ist der schnellere und der richtige Weg — und wir sagen dir das lieber, als dich zu buchen.

Siebtens

Herkunft, Namen
und Rechte

Wir arbeiten mit Handwerk, das andere entwickelt haben. Das gehört gesagt, und zwar mit Namen:

„Ikonen der Seele“ ist der Titel der Arbeit des Berliner Heilpraktikers Andreas Krüger, der dieses Format seit den frühen 2000er-Jahren lehrt und dazu Bücher veröffentlicht hat. Frank hat es bei ihm kennengelernt. Unsere Arbeit ist daran angelehnt und eigenständig weiterentwickelt; sie ist keine autorisierte oder lizenzierte Fassung und tritt nicht als solche auf. Aus Krügers Büchern wird hier nichts übernommen.

Die Familienaufstellung in ihrer bekannten Form geht auf Bert Hellinger zurück; die systemischen Strukturaufstellungen, aus denen die Arbeit mit Leitsymptomen und der Wunderfrage stammt, auf Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer; die Wunderfrage selbst auf Steve de Shazer.

Die rituelle Räucherkunde in Verbindung mit systemischer Homöopathie haben Marlis Bader und die Heilpraktikerin Atita Hammes in ihrer Fachausbildung zusammengeführt. Frank hat dort gelernt.

Die klangpädagogische Aufstellungsarbeit ist ein eigenes Format innerhalb der Klangpädagogik nach Peter Hess; Frank hat sie dort in seiner Ausbildung gelernt. Wir nennen diese Ausbildung als seine Herkunft — und bieten unsere eigene Arbeit nicht unter dem geschützten Namen an.

Achtens

Das Rechtliche,
ohne Kleingedrucktes.

Diese Arbeit ist kein Heilverfahren. Sie dient nicht der Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten und ersetzt weder ärztliche noch psychotherapeutische Behandlung. Wir stellen keine Diagnosen, wir setzen keine Medikamente ab und wir raten niemandem von einer Behandlung ab.

Wir versprechen kein Ergebnis. Ein Aufstellungstag kann viel bewegen, wenig bewegen oder nichts bewegen. Wer dir etwas anderes zusagt, sagt dir etwas zu, das er nicht halten kann.

Und wir veröffentlichen keine Erfahrungsberichte von Teilnehmenden als Werbung. Nicht nur, weil das rechtlich heikel ist — sondern weil das, was in einem Kreis passiert, dort bleibt.

„Wir wissen nicht, warum es wirkt.
Wir wissen nur, dass wir es
ehrlich tun können.“

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