Das Handwerk
Was im Kreis möglich ist — und was jedes einzelne Format eigentlich tut. In eigenen Worten, ohne Versprechen, mit den Grenzen gleich dabei.
Diese Liste ist der Werkzeugkasten, nicht die Speisekarte. Welches Format ein Anliegen braucht, zeigt sich im Vorgespräch — manchmal auch erst, wenn die ersten Stellvertreter im Raum stehen und etwas ganz anderes sichtbar wird, als angemeldet war. Deshalb steht hier bei keinem Format ein Preis und bei keinem eine Versprechung.
Die Kürzel in Großbuchstaben stammen aus der Arbeitssprache der schamanischen Aufstellungslinie, in der Frank gelernt hat. Wir behalten sie bei, weil sie im Kreis praktisch sind — und erklären sie hier, damit niemand raten muss.
Erste Gruppe
Mit einer dieser Formen beginnt fast jede Aufstellung. Sie unterscheiden sich weniger im Handwerk als in der Frage, mit der man ins Feld geht.
Die Grundform, von der das ganze Format seinen Namen hat. Ein Anliegen wird aufgestellt, das Bild wird gelesen, bewegt, und am Ende steht ein neues Bild — die „Ikone“, das Heilbild, das der Aufstellende mitnimmt.
Anders als in der reinen Familienaufstellung dürfen hier auch Rollen ins Feld, die keine Menschen sind: eine Kraft, ein Ort, ein Zustand, das Wunder.
Die nüchterne Grundform: Ein System — Familie, Team, Situation — wird durch Stellvertreter im Raum abgebildet, und es wird beobachtet, was passiert, wenn Plätze sich ändern. Ohne rituellen Rahmen, ohne schamanische Elemente.
Die bekannteste Form, in der Linie Bert Hellingers. Es geht um Zugehörigkeit, um Ausgleich zwischen Geben und Nehmen und um die Ordnung der Generationen.
Wir arbeiten mit diesem Handwerk und nicht mit dem Anspruch, dass es für jedes Leben ein richtiges Bild gäbe, das die Leitung kennt. Warum uns diese Unterscheidung so wichtig ist.
Statt zu fragen „Was ist das Problem?“ wird gefragt: „Woran würdest du morgen früh merken, dass es gelöst ist?“ Diese Wunderfrage stammt aus der lösungsorientierten Kurzzeittherapie von Steve de Shazer; in die Aufstellungsarbeit gebracht wurde sie unter anderem über die systemischen Strukturaufstellungen von Matthias Varga von Kibéd und Insa Sparrer.
Das Wunder bekommt dabei einen eigenen Stellvertreter und steht mit im Feld — oft der Moment, in dem sich ein Bild zum ersten Mal bewegt.
Dieselbe Frage nach dem Wunder, aber im rituellen Rahmen: mit Anrufung, mit Rauch, mit Trommel, wo es passt. Das ist die Form, in der wir am häufigsten arbeiten — und die, von der der Untertitel der alten Seite kam.
Ohne festgelegtes Format. Die Leitung folgt dem, was im Feld entsteht, und greift auf das zurück, was der Moment verlangt. Setzt viel Erfahrung voraus und eine Gruppe, die getragen ist.
Eine Aufstellung, in die schamanische Heilformate hineingenommen werden: eine Reise für den Aufstellenden, während die Stellvertreter stehen; eine Extraktion; ein Heillied. Das Feld wird zum Rahmen, nicht zum Selbstzweck.
Zweite Gruppe
Die schamanischen Kernformate. Sie gehen von zwei alten Annahmen aus: dass ein Mensch Anteile verlieren kann, und dass in der Lücke etwas anderes Platz nimmt. Man muss das nicht wörtlich glauben, um damit arbeiten zu können — es sind Bilder, die etwas beschreibbar machen.
Für Anteile, die bei einem überwältigenden Erlebnis zurückgeblieben sind. Der Anteil bekommt einen Stellvertreter; die Arbeit besteht darin, ihn erst zu finden, dann zu fragen, was er braucht, und ihn erst dann zurückzuholen, wenn er selbst mag.
Das Tempo bestimmt der Anteil, nicht die Uhr. Bei schwerer Traumatisierung gehört diese Arbeit in traumatherapeutische Begleitung — dann stellen wir nicht auf.
Die Arbeit mit Verstorbenen, die — im Bild dieser Tradition — den Übergang nicht gegangen sind. Aufgestellt wird die Beziehung zwischen dem Lebenden und dem, was ihn hält; das Ziel ist ein Abschied, der beide Seiten frei lässt.
Das Gegenstück: nicht die eigene Seele fehlt, sondern etwas Fremdes hat sich eingerichtet. Der Gedanke dahinter ist alt und einfach — wo ein Loch ist, setzt sich etwas hinein. Ent-setzen heißt: den Platz wieder räumen und ihn dann mit Eigenem füllen.
In der Aufstellungsform bekommt sowohl der Mensch als auch das, was ihn besetzt hält, einen Stellvertreter. Es wird nicht bekämpft, sondern verhandelt und verabschiedet.
Für das, was man an sich selbst nicht sehen mag — und das deshalb an anderen so laut wird. Der Schatten bekommt eine Gestalt im Raum, und man sieht ihn sich an, statt ihn wegzuschieben. Ziel ist kein Sieg, sondern eine Zusammenarbeit.
Für das, was in der Kindheit gefehlt hat und nicht mehr nachgeliefert werden kann. Es wird nicht so getan, als sei es doch da gewesen. Es wird eine Quelle gesucht, die heute erreichbar ist — und die Lücke bekommt einen Platz, statt still weiterzuziehen.
Dritte Gruppe
Drei Formate, die nicht ins Familiensystem greifen, sondern in die Bewegung eines Lebens.
Die eigene Zeitlinie wird im Raum ausgelegt und begangen. Rückwärts, um einen Punkt zu besuchen, an dem eine Entscheidung fiel. Vorwärts, um zu prüfen, wohin ein Weg führt, bevor man ihn geht.
Ein Ziel bekommt einen Stellvertreter, der Mensch stellt sich dazu, und dann wird der Abstand ernst genommen. Oft zeigt sich hier weniger, wie man näher kommt, als was einen hält — und manchmal, dass es gar nicht das eigene Ziel war.
Ein körperliches oder seelisches Symptom bekommt eine Stimme im Raum. Das ist ausdrücklich keine Diagnose und keine Ursachenforschung — es ist eine Art, mit etwas ins Gespräch zu kommen, das sonst nur stört.
Wichtig: Eine Symptomaufstellung ersetzt keine ärztliche Abklärung. Wo eine Erkrankung im Raum steht, gehört sie zuerst zum Arzt.
Vierte Gruppe
Was vor uns war, steht mit im Raum, ob wir es einladen oder nicht.
Nicht jede Herkunft ist eine Last. Hier werden ausdrücklich die Kräftigen aus der Linie gerufen — die, bei denen etwas gut gegangen ist — und der Aufstellende stellt sich in ihre Reihe.
Die Frauen einer Familie, hintereinander im Raum. Was weitergegeben wurde, wird sichtbar, wenn man sieht, wie viele Rücken vor einem stehen.
Dasselbe für die Männer. In vielen Familien ist es die Linie, über die weniger gesprochen wurde — und über die deshalb mehr weitergegeben wurde, als jemand weiß.
Für Menschen, die als Zwilling begonnen haben und allein weitergegangen sind, und für Familien, in denen ein Kind vor oder kurz nach der Geburt gestorben ist. Der Fehlende bekommt einen Platz — häufig ist genau das die ganze Arbeit.
Fünfte Gruppe
Zwei Formate, die vom Paar handeln — dem äußeren und dem inneren.
Zwei Menschen, zwei Systeme, ein gemeinsamer Raum. Aufgestellt wird nicht, wer recht hat, sondern welche Herkunft wem im Weg steht. Das geht auch, wenn nur einer von beiden da ist.
Die männlichen und weiblichen Anteile in einem Menschen — wie stehen die zueinander? Ein Format aus der schamanischen Linie, das oft mehr über Beziehungen sagt als jede Paaraufstellung.
Sechste Gruppe
Drei Formen, in denen nichts gelöst, sondern etwas anerkannt wird. Sie stehen am Ende eines Weges, nicht am Anfang.
Dank ist in dieser Arbeit kein Höflichkeitsritual, sondern eine Bewegung, die etwas ordnet: Wer nehmen kann, was er bekommen hat, steht anders da.
Für das, was nicht zu ändern ist. Es geht nicht darum, etwas gutzuheißen — es geht um das Ende des Kampfes gegen eine Tatsache.
Eine Grenze, die wir ausdrücklich ziehen: Es gibt keine Verbeugung vor einem Täter. Wo Gewalt war, wird nichts verneigt. Diese Grenze ist nicht verhandelbar und der Grund, warum wir uns von einem Teil der Aufstellungstradition ausdrücklich absetzen. Warum.
Angelehnt an das hawaiianische Versöhnungsritual: vier Sätze — es tut mir leid, bitte verzeih, danke, ich liebe dich —, gesprochen im aufgestellten Bild. Wir nennen die Herkunft und tun nicht so, als sei es unsere eigene Tradition.
Siebte Gruppe
Zwei Formate, die ein System aufstellen, das kein Mensch ist.
Ein Unternehmen wird behandelt, als wäre es ein lebendiger Organismus, und bekommt einen eigenen Stellvertreter. Daneben Rollen für das, was im Betrieb wirkt: der Markt, der Gründer, das Produkt, die Abteilung, die keiner mag.
Für Inhaber und Führungskräfte oft der überraschendste Zugang — weil im Raum schnell sichtbar wird, was in keiner Bilanz steht.
Ein homöopathisches Mittel wird nicht als Symptomliste gelesen, sondern als System: Leitsymptome bekommen Stellvertreter und treten miteinander in Beziehung; über mehrere Runden wird die Potenz erhöht und beobachtet, was sich verändert.
Die zugrundeliegende Leitsymptomaufstellung stammt aus den systemischen Strukturaufstellungen (Varga von Kibéd / Sparrer); als AMEA wurde sie in der homöopathischen Linie weitergeführt. Das ist ein Format für Fachleute aus der Homöopathie, kein Behandlungsangebot — und der wissenschaftliche Status der Homöopathie ist davon unberührt. Wie wir das einordnen.
Und jetzt?
Du musst kein Format aussuchen. Du bringst dein Anliegen mit, wir sprechen vorher darüber, und dann sehen wir weiter.